Article on Fritz Neumann in Spandauer Volksblatt 19.2.1972 - Text
Der Artikel “Segelboote für Millionäre und Vögel für sich selbst” (Sailboats for millionaires and birds for themselves) von Uwe-Michael Troppenz aus dem vorigen Beitrag , erschienen im Spandauer Volksblatt am 19 Februar 1972, Archivsignatur IV C Z ZA PA 1038 (Archiv des Stadtgeschichtlichen Museums Spandau).
Transkription
Fritz Neumann: “Ich male am liebsten, was ich sehe …
Segelboote für Millionäre und Vögel für sich selbst
Fritz Neumann ist das Gegenteil von Erich Wladimir Weger. Das ist natürlich nicht das einzige was ihn charakterisiert Aber wen Wegner den politischen Maler fordert, schüttelt Neumann den Kopf: “Ein Maler muß durchaus nicht politisch sein.” Und wo Weger sich bemüht, mit der roten Farbe den Betrachter zu provozieren, da malt Neumann lila, weil Lila modern ist, das verkauft sich besser — früher hätte ich wohl Grünblau genommen.” Während Weger von der Verwirklichung seiner Ideen träumt, bemüht sich Neumann, so naturgetreu wie möglich die Segelboote von Millionären zu machen.
Zugegeben: es wäre ungerecht, Fritz Neumann schnöden Materialismus vorzuwerfen. Denn er malt gerne, was er malen muß. Das Geheimnis der Freiheit. Seine Aquarelle und Radierungen reichen stilistisch vom Naturalismus über den Kubismus bis hin zu abstrakten Motiven. Obwohl die an den Segler Feininger erinnernden kubistischen Bilder von künstlerischem Rang sind und Inspirationen ahnen lassen, die über die Fassade des Erkennbaren hinausweisen, erklärt Neumann: “Ich male am liebsten, was ich sehe.” Was er sieht, sind Segelboote.
Und so leben in seinen Bildern verschiedene Stilrichtungen gleichberechtigt nebeneinander. Als Segel-Maler hat Neumann - das sagt er selbst - kaum Konkurrenz zu fürchten. Deshalb und aus seiner eigenen Begeisterung für den Wassersport heraus sind die Boote an der Havel Berufsmotiv. Aber er hat auch noch ein Privatmotiv: Vögel, reif für naturwissenschaftliche Illustrationen. Das meinten wohl auch die Verantwortlichen der “Deutschen Allgemeinen Zeitung” seinerzeit, als sie Fritz Neumann zum Mitarbeiter gewannen.
Im Dezember 1897 erblickte Fritz das Licht der kaiserlichen Welt und hatte das Pech, einen Vater zu haben, der ihm keinen Künstlernamen in die Wiege legte. Neumann. Aber entscheidend ist schließlich das Talent, und so genoß der begabte Teenager von 1912 bis 1916 eine Kunstschulausbildung, der Twen lag im 1. Weltkrieg in den Gräben von Verdun, leitete nach seiner Heimkehr ein Reklameatelier und entschloß sich dann 1930, freischaffender Maler und Radierer zu werden. Den 2. Weltkrieg machte Neumann von Anfang an mit, aber es war so schlimm nicht für ihn: “Ich habe im Krieg mehr gemalt als gekämpft. Mein Kompaniechef war Professor, und der hatte viel Verständnis dafür.”
Nach dem 2. Weltkrieg stellte er sich bei seinen Radierungen von der Kaltnadeltechnik auf die Ätztechnik um. Das Kunstamt Spandau schrieb im vorigen Sommer, Neumann habe “einen streng komponierten Kathedralstil. Unverkennbar ist der Einfluß früherer Jahre durch den Umgang mit Glasmosaik”. Der Künstler meint dazu, daß die Kupferätzung selbst in gewisser Weise einen strengen Stil vorschreibe, das Motiv stilisiere.
Streng oder nicht streng Künstler Neumann kann von seinen Bildern, die die Kunstsammlungen Amsler & Ruthardt und Vagart & Co. vertreiben, recht gut leben. Segelboote für die Millionäre, Spandauer Motive „fürs Volk" und Vögel für sich selbst.
Die Flora hat es jedoch Frau Hedwig Neumann angetan, die ihren Mann auf der Kunstschule kennenlernte. Unter ihrem Mädchennamen Hede Klinge malt sie strahlende Sonnenblumen. Auch sie arbeitet für einen Verleger, aber sie macht ihrem Mann keine Konkurrenz. Hede Klinge malt keine Segelboote.
• Wenn Fritz Neumann in Bocksfelde sitzt und die Havel beobachtet, mit flinkem Pinsel über die Leinwand auf der Staffelei fährt, dann gefällt es ihm, wenn neugierige Wanderer mit dem Meister über die Probleme der Kunst debattieren - Probleme, die Fritz Neumann nicht hat. Von seinen weiten Reisen brachte er Impressionen und Skizzen mit, die in Kohle und Pastell immer wieder zum Thema kommen: Stämmige Fischerboote in Griechenland, Schiffe auf den Kanälen in Venedig, an der Mole von Cuxhaven oder Amsterdam, auf den Flüssen von Paris.
Er kann es nicht lassen, es hat ihn gepackt, ein für allemal, endgültig, unwiderruflich. Und die Käufer schätzen es, daß Fritz Neumann vom Fach ist und genau weiß, wie die Takelage auszusehen hat. Das ist sehr nützlich.
UWE-MICHAEL TROPPENZ
Fritz Neumann und seine Segelboote: “Ich male gern, was ich malen muß”, sagt er dazu. (Bilder: Franke)
Anmerkungen
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